Die beiden künstler Alejandro DeCinti und Rafael Ramirez Máro nähern sich dem Thema auf gegensätzliche Weise. Reger austausch.

Von M.-L. Otten

Stolberg. In Anlehnung an das „Narrenschiff“ von Sebastian Brant (1494) zeigen die beiden Maler Alejandro DeCinti und Rafael Ramirez Máro auf groß- und mittelformatigen Bildern ihre Sicht auf die Probleme menschlichen Verhaltens. Ihre Kunstausstellung in der Stolberger Burggalerie wurde amSonntagmorgen von TimGrüttemeier eröffnet.
Der Bürgermeister wies auf die große Strahlkraft der Bilder hin, die dem Betrachter die gegenwärtigen Missstände und Laster eindrucksvoll vor Augen führten. Während bei DeCinti ein Schiff noch im Wasser ist und Kurs auf ein fiktives Land nimmt, ist es bei Artibus-Kurator Rafael Ramirez Máro bereits gestrandet. Die Künstler haben sich dem Thema „Narrenschiff“ unterschiedlich genähert: Gedrückte Stimmung und verminderter Antrieb einerseits, Rastlosigkeit und gesteigerter Antrieb andererseits.
Was es mit wahrer Freundschaft und Verhinderung des Guten auf sich hat, zeigen zwei Ölbilder auf Leinwand unter dem Titel „Martyrium 1 und 2“ von DeCinti. Von der Überschätzung des Glücks zeugen die „Galionsfiguren“, die an der Außenseite des Schiffs dargestellt sind und es vor Unglück bewahren. Máro beleuchtet die in Sünde verharrendeWelt, worunter nach der spanischen Mystikerin Teresa von Avila die Trägheit des Herzens und die Abwesenheit Gottes zu verstehen ist.
Das Schlaraffenschiff „Charon“ erinnert bei Máro an Schiffe, die über das Mittelmeer gekommen sind und deren ausgemergelte Personen sich in Europa das große Glück erhoffen. Die Betroffenen scheinen in seinen Bildern dem Selbstmord oder Amok nah. Die gottverneinenden, sündigen Figuren machen nachdenklich und regen die Besucher, die in stattlicher Anzahl zur Eröffnung gekommen waren, zu einem intensiven Austausch an.
Rätselhaft und faszinierend zugleich ist das Bild des Rattenfängers von Hameln auf vielfarbigem bunten Tuch. Als Außenseiter, der die Kinder mit seinen lieblichen Flötentönen aus der Stadt Hameln lockt, kennt er das Gefühl des Ausgestoßenseins.
Der dritte ausstellende Maler ist Antonio DeCinti, 21-jähriger Sohn von Alejandro DeCinti. Er ist zwar nicht anwesend an diesem Morgen, aber er hat fünf Porträts mit den Flötistinnen „Sofia“, „Nabila“ und „Alma“ zur Kunstausstellung beigesteuert. Das sechste Bild zeigt „Zwei Hände“, ebenfalls aus dem Zyklus „Das Narrenschiff“.
aachener

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