Von: Jule Klieser Letzte Aktualisierung: 14. Oktober 2014, 10:27 Uhr

STOLBERG. „Das Narrenschiff“ ist derzeit in der Stolberger Burg in Form einer Gemäldeausstellung unterwegs. Hildegard Nießen, ehemalige stellvertretende Bürgermeisterin, eröffnete die Schau von Arbeiten des Künstlers Alejandro DeCinti in der Burggalerie am Wochenende.

Sie sind im Leben und auf dem Gemälde Freunde: der Kurator Rafael Ramirez Maro (l.) und der Künstler Alejandro DeCinti, der einige seiner Gemälde derzeit in der Burggalerie ausstellt. Foto: J. Klieser

Sie sind im Leben und auf dem Gemälde Freunde: der Kurator Rafael Ramirez Maro (l.) und der Künstler Alejandro DeCinti, der einige seiner Gemälde derzeit in der Burggalerie ausstellt. Foto: J. Klieser

Die von skurriler Fantasie überbordenden, teilweise großformatigen Bilder greifen Themen der mittelalterlichen Literaturvorlage auf, dem „Narrenschiff“ von Sebastian Brant. Um menschliche Laster und Schwächen geht es in diesem satirischen Werk, und Alejandro DeCinti transportiert diese bildgewaltig mit alter Maltechnik in die heutige Zeit. Intensiv und manchmal alptraumhaft wie Bilder der alten Meister wirken diese Gemälde, und es ist nicht sicher, wie viel Ernst und wie viel Augenzwinkern der Künstler hineingelegt hat. Sicherlich will er seine Familienangehörigen, deren Porträts in den Narrenschiff-Geschichten verewigt sind, weder dem Spott noch der Seelenschau preisgeben. Sich selbst nimmt der Künstler jedoch auf die Schippe mit dem Bild „Schiffbruch“, auf dem sein Kopf in einem Boot über einen stürmischen Ozean treibt. Aus seinem Kopf, dem „Kopf eines großen Ego“, wächst ein kahler Baum mit Mensch im Geäst. Das sind seine Hirngespinste, erklärt DeCinti. Das Meer sei Symbol für das Leben, das Schiff ist das Individuum. „Ein Mensch geht durch das Leben, manchmal ist es ein gutes, manchmal ein schlechtes Leben. Es nimmt kein gutes Ende, wenn man Dummheiten macht“, erläutert DeCinti seine Sicht auf die mittelalterliche Moralschrift und was davon auch heute gilt.

Übertriebene Darstellungen

Mit seinen Bildern möchte er zum Nachdenken anregen. Wenn der Betrachter die zugrunde liegenden Geschichten kennt, kann das gelingen. Von einem Stein der Verrücktheit, der alles böse macht, erzählt eine Legende. Im Bildnis einer liegenden Frau, die die Züge von DeCintis Ehefrau trägt, kann ein Alchimist den fatalen Stein von ihr entfernen. Mit ziemlich eigenartigen Sujets und teilweise übertriebenen Darstellungen ist der Betrachter also konfrontiert. Doch der Faszination des Seltsamen und dem starken, lebensechten Ausdruck der Figuren kann sich keiner entziehen. Von den vielen Preisen, Auszeichnungen und Projekten des Künstlers, der in 1973 Chile geboren wurde und heute in Spanien lebt, berichtete Luis Alvarez, ehemaliger Prokurist und Werksleiter von KME, in seiner Ansprache bei der Ausstellungseröffnung. Er beschrieb DeCinti als einen herausragenden Vertreter des zeitgenössischen spanischen Realismus. Alvarez: „Die Visionen des Künstlers bekommen mit Hilfe von Licht, Farben und Formen eine neue Realität.“ Seltsames und Lebensechtes faszinieren – Lesen Sie mehr auf: http://www.aachener-zeitung.de/lokales/stolberg/seltsames-und-lebensechtes-faszinieren-1.936386#plx690824658

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