{"id":1352,"date":"2014-02-14T08:22:05","date_gmt":"2014-02-14T08:22:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.decinti.com\/?p=1352"},"modified":"2016-10-02T09:49:23","modified_gmt":"2016-10-02T09:49:23","slug":"stolberg-und-seine-menschen-haben-es-ihm-angetan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.decinti.com\/en\/stolberg-und-seine-menschen-haben-es-ihm-angetan\/","title":{"rendered":"Stolberg und seine Menschen haben es ihm angetan"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>\u00a0STOLBERG. Wenn am morgigen Sonntag um 12 Uhr die Artibus-Ausstellung in der Burg-Galerie er\u00f6ffnet wird, ist es nicht nur die zweite Schau des K\u00fcnstlers Rafael Ram\u00edrez M\u00e1ro in dieser Reihe. Der in der Euregio lebende und arbeitende und aus Peru stammende K\u00fcnstler \u00fcbernimmt in diesem Jahr zudem die k\u00fcnstlerische Leitung der Ausstellungsserie im Rahmen des st\u00e4dtischen Kulturprogramms. Mit dem neuen Artibus-Kurator hat sich Dirk M\u00fcller unterhalten.<\/p><\/blockquote>\n<h5>\u201eLA CELESTINA\u201c AB MORGEN IN BURG-GALERIE<\/h5>\n<p>Die Vernissage zu \u201eLa Celestina\u201c beginnt am Sonntag, 16. Februar, um 12 Uhr in der Burg-Galerie, Faches-Thumesnil-Platz, mit einer Einf\u00fchrung durch den K\u00fcnstler Rafael Ram\u00edrez M\u00e1ro. Sie wird musikalisch von Alexander-Sergei Ram\u00edrez an der klassischen Gitarre begleitet. Die Ausstellung ist bei freiem Eintritt bis einschlie\u00dflich Sonntag, 25. M\u00e4rz, zu sehen. \u00d6ffnungszeiten der Burg-Galerie: samstags und sonntags von 11 bis 19 Uhr, dienstags bis freitags von 14 bis 18 Uhr.<\/p>\n<div id=\"attachment_1355\" style=\"width: 334px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1355\" class=\" wp-image-1355 \" alt=\"Nicht nur K\u00fcnstler, sondern jetzt auch noch Kurator der Artibus-Reihe. Zum Auftakt des diesj\u00e4hrigen Programms stellt Rafael Ram\u00edrez M\u00e1ro an morgen eigene Werke in der Burg-Galerie aus. Foto: D. M\u00fcller\" src=\"http:\/\/www.decinti.com\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/image-2.jpg\" width=\"324\" height=\"182\" srcset=\"https:\/\/www.decinti.com\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/image-2.jpg 540w, https:\/\/www.decinti.com\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/image-2-150x84.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 324px) 100vw, 324px\" \/><p id=\"caption-attachment-1355\" class=\"wp-caption-text\">Nicht nur K\u00fcnstler, sondern jetzt auch noch Kurator der Artibus-Reihe. Zum Auftakt des diesj\u00e4hrigen Programms stellt Rafael Ram\u00edrez M\u00e1ro an morgen eigene Werke in der Burg-Galerie aus. Foto: D. M\u00fcller<\/p><\/div>\n<h5>Wie sind Sie von Peru in die Euregio gelangt?<\/h5>\n<p>Ram\u00edrez M\u00e1ro: Auch wenn mein Vater Apolo Ram\u00edrez in Peru ein anerkannter und erfolgreicher Frauenarzt gewesen ist, war das kulturelle Niveau in Peru nicht sonderlich hoch. So hat sich meine Familie in den 60er Jahren in Deutschland angesiedelt, wo mein Vater und ich unter seinem K\u00fcnstlernamen Antonio M\u00e1ro ab 1972 zusammenarbeiteten und zum Beispiel dann 1978 gemeinsam das 20 Mal 6 Meter gro\u00dfe Wandgem\u00e4lde f\u00fcr die Meinerzhagener Stadthalle malten. Gleichzeitig ging ich auch zur Schule und studierte in Essen-Werden in der Folkwangschule Violine. Sp\u00e4ter machte ich dann auch in Deutschland das Abitur. Anschlie\u00dfend habe ich aber in Peru bei Barockmalern studiert. Meine weiteren Stationen w\u00e4hrend des Studiums von Kunst waren L\u00fcttich, K\u00f6ln, Wien und Madrid, wo ich rund zehn Jahre lang gelebt habe. 2007 habe ich dann das Haus meiner Eltern \u00fcbernommen und in ein Kulturzentrum umgewandelt.<\/p>\n<h5>Dieses befindet sich aber nicht in Deutschland, sondern im belgischen Hauset . . .<\/h5>\n<p>Ram\u00edrez M\u00e1ro: Ja, denn die strategische Lage ist sehr g\u00fcnstig. Da mein Vater zum Beispiel in Amsterdam, Br\u00fcssel, Paris, Antwerpen oder K\u00f6ln seine Werke ausstellte, war die alte Villa in Hauset optimal. Von dort aus sind viele St\u00e4dte gut zu erreichen.<\/p>\n<h5>Sie haben in dem Haus das \u201eRam\u00edrez M\u00e1ro Institut\u201c etabliert. Was verbirgt sich hinter diesem Kulturzentrum unweit der deutschen Grenze?<\/h5>\n<p>Ram\u00edrez M\u00e1ro: Das Institut basiert auf der Fortf\u00fchrung der Tradition des K\u00fcnstlerhauses M\u00e1ro. Seit dreieinhalb Jahrzehnten finden in dem ehemaligen Headquarter General Eisenhowers Kunstausstellungen, Events, Konzerte und Treffen hochrangiger K\u00fcnstler statt. Es ist ein kultureller Schmelztiegel, in dem interdisziplin\u00e4r und transparent gearbeitet wird. Offene Ateliers und offene Proben erm\u00f6glichen den G\u00e4sten Blicke hinter die Kulturkulissen, was mir sehr wichtig ist. Das Institut m\u00f6chte K\u00fcnstler allerdings nicht nur im Mutterhaus in Hauset zusammenrufen und vertreten, sondern sie auch in wichtigen, internationalen Ausstellungsr\u00e4umen und Museen pr\u00e4sentieren.<\/p>\n<h5>Welche Verbindung haben Sie zu Stolberg?<\/h5>\n<p>Ram\u00edrez M\u00e1ro: Ich stehe schon l\u00e4ngere Zeit in Kontakt mit Christa und Karl-Heinz Oedekoven, die beispielsweise 2008 eine gro\u00dfe Ausstellung im Museum Zinkh\u00fctter Hof organisiert haben. 2009 habe ich bei der von Kulturmanager Max Krieger organisierten Schau im Rahmen von Stolberg goes Espa\u00f1a Bilder in der Sparkasse ausgestellt. Am meisten beeindruckt hat mich sicherlich meine Ausstellung in der Artibus-Reihe, als ich 2010 in der Burg-Galerie meinen Holocaust-Zyklus gezeigt habe. Das war in mehrfacher Hinsicht sehr besonders.<\/p>\n<h5>Was hat Sie denn so an dieser Ausstellung beeindruckt?<\/h5>\n<p>Ram\u00edrez M\u00e1ro: Um den Zyklus zu malen, habe ich mich in einem langen und intensiven Dialog mit dem Zeitzeugen Dr. Max Hamburger befunden, aus dem eine Freundschaft gewachsen ist. Dr. Hamburger, der in den Konzentrationslagern Ausschwitz und Buchenwald gefangen war, nahm an einer Podiumsdiskussion in der Burg-Galerie teil, und ich war sehr beeindruckt von den Stolbergern aller Altersklassen, die diese Veranstaltung besucht haben. Sie hatten ehrliches, offenes Interesse und begegneten dem Menschen Dr. Hamburger wie dem Thema mit Taktgef\u00fchl. Ich habe in der Burg-Galerie sehr viel Empathie gesp\u00fcrt, man kann sagen: Ich war ber\u00fchrt und ger\u00fchrt von Stolberg. Auch wenn es einen Wermutstropfen gab. Die Schulen haben das Angebot, die Ausstellung zu besuchen und mit dem zu der Zeit 90-j\u00e4hrigen Zeitzeugen und KZ-\u00dcberlebendem ins Gespr\u00e4ch zu kommen, leider nicht wahrgenommen. Das war wirklich schade, denn heute besteht diese Gelegenheit nicht mehr. Der niederl\u00e4ndische Arzt und Psychiater, der als \u00dcberlebender selbst Holocaust-Opfer therapiert hat, ist inzwischen gestorben.<\/p>\n<h5>Ab Sonntag stellen Sie nicht nur erneut in der Burg-Galerie aus, sondern sind jetzt auch Kurator der Artibus-Ausstellungsreihe.<\/h5>\n<p>Ram\u00edrez M\u00e1ro: Ja, als Max Krieger mich gefragt hat, ob ich die k\u00fcnstlerische Leitung von Artibus \u00fcbernehmen m\u00f6chte, habe ich gleich an die f\u00fcr mich unvergessliche Atmosph\u00e4re bei der Ausstellung 2010 gedacht und sofort \u201eJa\u201c gesagt. Ich habe Stolberg sch\u00e4tzen gelernt und arbeite sehr gerne mit Max Krieger zusammen, so dass ich mich auch \u00fcber einen l\u00e4ngerfristigen Einsatz freuen w\u00fcrde.<\/p>\n<h5>Wie beurteilen Sie die gesamte Kunstszene in Stolberg?<\/h5>\n<p>Ram\u00edrez M\u00e1ro: Es gibt hier enorm beeindruckende Bem\u00fchungen in Sachen Kunst. In dieser relativ kleinen Stadt bemerke ich so viel positives Engagement. Ich versuche es einmal in Relation zu setzen: Wenn es im gr\u00f6\u00dferen Aachen eine derart starke Kunst-Initiative g\u00e4be wie in Stolberg, dann w\u00e4re Aachen die Kunst-Metropole schlechthin.<\/p>\n<h5>Was erwartet die Besucher der ersten Artibus-Ausstellung in diesem Jahr mit dem Titel \u201eLa Celestina\u201c?<\/h5>\n<p>Ram\u00edrez M\u00e1ro: Es werden gro\u00dfformatige Malereien und Zeichnungen von mir zu sehen sein und auch zwei Werke von Alejandro Decinti, die sich mit dem Thema \u201eCelestina\u201c befassen. In meiner Malerei steht immer der Mensch im Vordergrund, und die Themenbereiche entnehme ich der Zeitgeschichte oder der Literatur, wobei Spiritualit\u00e4t, Philosophie und Psychologie eine Rolle spielen. So ist es auch bei meinem Zyklus \u201eLa Celestina\u201c, einer Trag\u00f6die, die 1499 erstmals in Spanien ver\u00f6ffentlicht und von Fernando de Rojas geschrieben wurde. Es ist eines der drei wichtigsten literarischen Werke Spaniens und begr\u00fcndete ma\u00dfgeblich die moderne europ\u00e4ische Literatur. In Deutschland ist \u201eLa Celestina\u201c derzeit leider weitgehend unbekannt. Mit dem Zyklus m\u00f6chte ich meinen Dank f\u00fcr dieses literarische Werk zum Ausdruck bringen und gleicherma\u00dfen darauf hinweisen, dass es existiert, um Interesse f\u00fcr diese bedeutende Trag\u00f6die zu wecken.<\/p>\n<h5>Wie geht die Artibus-Reihe weiter?<\/h5>\n<p>Ram\u00edrez M\u00e1ro: In einer Sonderausstellung wird der Kupferst\u00e4dter K\u00fcnstler Robert Sch\u00e4fer gro\u00dfformatige Fotos zeigen und Stolberger Orte und Menschen aus einer anderen Sicht pr\u00e4sentieren. Passend zu dem diesj\u00e4hrigen Kulturfestival \u201eStolberg goes Euregio\u201c folgt dann eine Ausstellung mit mindestens zehn wirklich guten K\u00fcnstlern aus der Euregio Maas-Rhein. In dieser Schau sehe ich genau wie in dem Kulturfestival eine gro\u00dfe Chance f\u00fcr Stolberg. K\u00fcnstler und G\u00e4ste aus den Niederlanden, Belgien und Deutschland nehmen die Artibus-Reihe und ihren besonderen Ausstellungsort im ansprechenden Ambiente der Burg war und besuchen die Kupferstadt vielleicht wieder. In der vierten Schau stellt Antonio M\u00e1ro, dessen Schaffen bereits viele Freunde in Stolberg gefunden hat, abstrakten Expressionismus aus, und mit der letzten Artibus-Ausstellung in diesem Jahr schlie\u00dft sich der Kreis: Alejandro Decinti widmet sich wieder einem literarischen Thema, dem \u201eNarrenschiff\u201c von Sebastian Brant, das 1994 gedruckt und das erfolgreichste deutschsprachige Buch vor der Reformation wurde. Mit intimen Einblicken in das allt\u00e4gliche Leben hinterfragt der chilenische K\u00fcnstler psychologisch die menschliche Natur.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0STOLBERG. 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